Das Design und das Postfaktische: Ein Denkansatz
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Trump, AfD, Brexit. „Wie konnte es nur soweit kommen?“ Diese Frage mit dazu gehörigen Erklärungsversuchen stellt sich fast jeder TV-Sender, jede Zeitung und Onlinenachrichtenplattform. Dabei kommt es in fast jedem Fall zu der Frage der Verantwortung. Wer oder was hat versagt? Welche Faktoren haben dazu geführt das wir in einem sogenannten postfaktischen Zeitalter leben? Die Antwort ist oft die gleiche: Emotionen haben die Fakten als Basis des Diskurses abgelöst. Die Wahrheit wird gefühlt und nicht mehr anhand der Faktenlage ermittelt.

Das Erzeugen von Emotionen ist vor allem in einem Bereich von großer Bedeutung: Dem Design. Design versucht im Idealfall einen Gegenstand, eine Idee oder ein Unternehmen zu emotionalisieren und somit einem Publikum zugänglich zu machen. Wie und welche Emotionen dabei hervorgerufen werden ist sehr unterschiedlich. Im Falle von einem Stuhl spricht man von gutem Design wenn er gleichzeitig bequem und schön ist. Dabei gibt es Ausnahmen wie etwa den Rot-Blauen Stuhl von Gerrit Rietveld, der von einem Design Aspekt durchaus seinen Reiz hat aber für ein bequemes Sitzen komplett ungeeignet ist. Wieso aber werden Replikate von diesem Stuhl für bis zu 2.500 Euro verkauft und was hat das nun mit dem postfaktischen Zeitalter zu tun?

Wenn uns erst einmal die Emotion gegriffen hat wird das rationale Denken abgelegt. Wir sehen den Stuhl nicht mehr als gewöhnlichen Gebrauchsgegenstand, sondern als Gegenstand unserer Begierde und ignorieren, dass der eigentliche Zweck eines Stuhles nicht erfüllt wird. Die Parallele zu dem postfaktischen Zeitalter besteht darin, dass durch gezielte Emotionalisierung einer Debatte die Faktenlage immer weiter in den Hintergrund rückt. Gutes Design ist der Grund wieso wir teure Nike Klamotten kaufen und Apple und Amazon großen Erfolg haben. Diese Unternehmen stehen durch ethisch und moralisch fragwürdige Praktiken stark in der Kritik und fast jeder weiß bis zu einem gewissen Grad davon. Nur wieso haben diese Unternehmen weiterhin Erfolg und werden nicht von dem Verbraucher gemieden? Ihr Design macht diese Produkte begehrenswert. Sie sind so gut designt und so benutzerfreundlich, dass man über ihre fragwürdigen Praktiken hinwegsieht. Design kann ein Mittel emotionaler Manipulierung sein und das auf äußerst vielfältiger Art und Weise.

„Leider gibt es viel zu viele Gestalter, denen es nur um nette Produkte geht. Doch Moral ist unabdingbar für Design“ -Philippe-Patrick Starck1

Während meines Studiums und meiner Werkstudententätigkeit habe ich mir öfter die Frage gestellt, ob ich für moralisch fragwürdige Unternehmen arbeiten würde oder nicht. Am Anfang einer Karriere ist es natürlich einfach zu sagen, dass man seinen moralischen Kodex nicht verraten wird. Doch in der Realität der Arbeitswelt hat man oft keine Wahl, vor allem wenn man ein kleines Rädchen in einer großen Agentur ist. Doch sollte man, wenn man die Wahl hat, sich und seiner Überzeugungen treu bleiben.

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