Das Designkonzept
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Das Ziel

Für mich war von Anfang an klar, dass das Medium Film das größte Potenzial für eine Visualisierung der Informations- und Bilderflut hatte. Die Vielzahl an audiovisuellen Reizen lässt sich in ihrer Wirkungsvielfalt nicht aufs Papier bringen.

Aller Anfang war also schwer. Was wollte ich wie vermitteln? Diese Frage beschäftigte mich. Ich begann, mit verschieden Visualisierungsmodellen zu experimentieren.  Ich plante, ein relativ statisches Video mit über 1000 einzelnen Kacheln zu animieren, das sich ähnlich wie einen GIF nach etwa zehn Sekunden wiederholt. Der Betrachter sollte Zeit haben, sich jede Kachel und ihren Inhalt genau zu betrachten. Jedoch stellte ich nach mehren Tests fest, dass dies nicht der Stimmung, nicht dem Gefühl entspricht, das ich vermitteln wollte. Das ganze Szenario erschien mir zu statisch, zu berechenbar und zu nett. Mir wurde immer klarer: das Video sollte ein gewisses Unwohlsein erzeugen. Dieses Gefühl der Ohnmacht, die Dinge in ihrer Gesamtheit nicht erfassen zu können, sollte beim Betrachter unmittelbar präsent sein. Das war es, was ich also suchte.

Das Video gleicht also nun einer Art postfaktischem Fiebertraum. Gedanken und Eindrücke, die einem nicht mehr loslassen, werden verarbeitet und laufen, ähnlich einem Film, komprimiert vor dem inneren Auge ab. So wie das Unterbewusstsein, das sich in Form eines Traumes mit der täglichen Bilderflut beschäftigt, soll sich der Betrachter mit seinem täglichen unbewussten audiovisuellen Stress bewusst auseinander setzten.

Die drei Elemente

Bild

Andreas Gurskys Bild einer Hochhaussiedlung im Pariser Viertel Montparnasse inspirierte mich zu der Mosaikanordnung meines Videos. Die Koexistenz verschiedener Leben und Geschichten auf engsten Raum, bot eine gute metaphorische Vorlage.

In meinem Fall musste ich meine 512 Quadrate erst mit Leben und Geschichten füllen. Also begann ich, einen regelrechten Downloadmarathon. 512 Videos herunterzuladen, klingt im ersten Moment einfacher als es ist. Eigentlich eignet sich fast jedes Video, da ich ein vielfältiges Bild unserer Online- und Medienwelt zeichnen wollte, durfte es nicht redundant sein. Also musste ich immer wieder innehalten und überlegen, welche Themengebiete ich noch nicht abgedeckt hatte.

Text

Neben der Bilderflut galt es noch die Textflut zu visualisieren. Das Erfassen und Verstehen eines Textes, ist nicht passiver Natur wie bei einem Bild oder Video, es erfordert eine gewisse Hingabe und damit auch mehr Konzentration und mentale Leistung. Wir werden jedem Tag mit Texten in Form von Emails, Nachrichten und Social Media Post bombardiert und verlernen dadurch uns länger mit einem Text oder Thema zu beschäftigen. Wir lesen nicht mehr richtig, sondern scannen den Text nach Schlagwörtern ab, die uns wichtig erscheinen. Leider wird man durch die Massen an textbasierten Informationen dazu gezwungen sein Leseverhalten, dahingehend zu verändern. In der Visualisierung überspitze ich dieses Phänomen indem ich den Text in verschiedenen Arten nicht greifbar mache. Der Text wird zu einer Anhäufung von sinnlosen Worthülsen, in dem man vielleicht einige Schlagwörter erkennt, diese aber nicht in einem logischen Zusammenhang stellen kann.

Sound

Neben dem visuellen darf man den auditiven Stress nicht außer Acht lassen. Innerhalb meines Videos lege ich großen Wert auf die auditive Untermalung meiner Visualisierung. Durch unsere genetische Veranlagung reagiert unser Gehirn auf manche Frequenzen und Töne besonders heftig, da die Zuordnung dieser uns beim überleben geholfen hat. Ein Video ist in seiner emotionalen Wucht auch deshalb so effektiv. Ähnlich wie bei einem Bild gelangen Geräusche und Stimmen ohne Umwege direkt in unser Hirn und lösen dort je nach Frequenz gewisse emotionale Stimmungen aus.

Diese Prinzipien macht sich die Entertainmentwelt auf vielfältige Art und Weise zu nutze. Musik oder eine bewusst gewählte Geräuschkulisse dienen als eine Art Lenkrad für die Gefühle des Betrachters. Es ist besonders schwer sich dieser Gefühle entgegenzustellen, da sie in ihrem Ursprung genetischer Natur sind.

Im Falle des Videos setzte ich manche Geräusche bewusst ein um die Stimmung des Betrachters zu beeinflussen. In den meisten Fällen belasse ich es aber bei dem Originalton der einzelnen Videos, der Geräuschteppich entsteht meist durch das Hinzu-oder Hinwegnehmen der Videos.

Visuelle Konstanten

Das Quadrat

Der Konstruktivismus geht, wie eingehend in meinem theoretischen Teil der Arbeit erwähnt, davon aus, dass jeder in seinen eigens konstruierten Model der Wahrheit lebt.Jedes Erlebnis, jede Information fügt sich wie ein Baustein in die eigene Weltanschauung. Dieses Prinzip greife visuell ich mit den Quadraten meiner Mosaikanordung auf.

Farbliche Gestaltung

Die farbliche Gestaltung, innerhalb des Videos, ist auf ein reines schwarzweiß beschränkt. Ein lautes Design würde im Konflikt mit den zahlreichen teils bunten Videos stehen.

Der Glitch

Da das Quadrat in meiner Visualisierung schon als Baustein der Weltanschauung etabliert wurde, muss es auch ein visuelles Mittel geben, das dies erschüttert. Ähnlich wie bei einer Erschütterung des eigenen Weltbildes, durch eine neue Information oder Erlebnisses reißt der Glitch das saubere Quadrat in seine Einzelteile und verzerrt es bis zur Unkenntlichkeit.

Technische Aspekte

Im letzten Jahr meines Studiums und meiner Werkstudententätigkeit hatte ich viele Projekte, in denen ich mit dem Animationsprogramm After Effects zu tun hatte. Daher stand für mich früh fest, dass ein Großteil meiner Bachelorarbeit mit diesem Programm erstellen würde.

Jeder der schon einmal mit After Effects gearbeitet hat, kann bestätigen, dass es bei einer großen Komposition mit vielen einzelnen Elementen mitunter schwierig werden kann, den Überblick nicht zu verlieren. Im Gegensatz zu meiner Agenturarbeit, hat mein Projekt ein eher experimentellen Charakter. Es gibt kein stringentes Storyboard mit exakten Zeitangaben oder vorgefertigte Illustrationen. So herrschte in meiner After Effects Datei schnell ein kreatives Chaos. Die schiere Menge an Videos war eine Herausforderung für mich und den Rechner. Vor allem der Renderprozess ist, bei bis zu 500 gleichzeitig laufenden Videos, sehr mühsam. Da ich mit meinen Universitätsrechner nur 8 GB RAM Arbeitsspeicher zur Verfügung hatte, stieg ich sehr schnell auf meinen Arbeitsrechner um, der mit 16 GB RAM Arbeitsspeicher etwas mehr Leistung auf den Tisch brachte. Doch die extrem hohe Auflösung des Videos von 4096 x 2160 Pixel war auch für die doppelte Anzahl von RAM zu viel. Das Video ist phasenweise sehr kleinteilig und die Wirkweise einiger Sequenzen ist nur durch die volle Auflösung richtig zu erkennen. So setzte sich das Arbeiten aus 50% aktiver Arbeit und 50% rendern zusammen, was manchmal ziemlich nervenaufreibend sein kann. Bei einer Sequenz mit sehr vielen animierten Elementen, gerät das Arbeiten schnell zu einer Diashow und man muss diverse Unterkompositionen erstellen um gesondert und effizient an ihnen zu arbeiten.

Nichtsdestotrotz ist After Effects für mich ein inspirierendes Grafikprogramm, da man für experimentelles Arbeiten mit positiv unerwarteten Ergebnissen belohnt wird, die einen dann weiter anstacheln, Neues auszuprobieren. Doch Freud und Leid liegen dort sehr nahe beisammen.

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